Acqua Alta Venedig 2026: Pegelstände, MOSE & Tipps

Schnellüberblick — die wichtigsten Fakten
FrageAntwort
HauptsaisonVor allem Herbst bis Frühjahr (Oktober–März, Peak November/Dezember)
Besonders betroffenMarkusplatz, tiefliegende Uferbereiche, einzelne Gassen in San Marco
Kritisch für ReisendeMeist ab ca. 100–110 cm Pegelstand
Offizielle PegelbasisPunta della Salute (ZMPS)
Wichtigste QuelleCentro Maree der Stadt Venedig
SchutzsystemMOSE, aktiv seit Oktober 2020 — aber keine dauerhafte Lösung gegen Meeresspiegelanstieg
Passerelle-ServiceVom 1. Mai bis 15. September ausgesetzt
Hotel-EmpfehlungHöher gelegene Lagen prüfen (Dorsoduro, Cannaregio-Nord, Castello-Nord)

Was ist Acqua Alta in Venedig?

Acqua Alta heißt wörtlich „hohes Wasser“. Bezeichnet wird damit das periodische Hochwasser-Phänomen der Lagune von Venedig, bei dem der Wasserstand deutlich über den astronomisch berechneten Tidenhochstand steigt und Teile der Stadt überflutet.

Drei Faktoren wirken zusammen, damit Acqua Alta entsteht:

  1. Astronomische Tide — die normale Gezeitenschwankung, in der Adria etwa ±70 cm
  2. Scirocco- oder Bora-Wind — Süd- oder Nordostwind, der Wasser aus dem Adriatischen Meer in die Nordadria drückt
  3. Niederdruck-Gebiet — bei niedrigem Luftdruck steigt das Meeresniveau zusätzlich („umgekehrter Barometer-Effekt“, etwa 1 cm pro 1 hPa weniger)

Treffen alle drei zusammen, kann der Pegelstand 100–150 cm über dem Mittelwert liegen. Acqua Alta ist meist kein plötzliches Sturmflutereignis, sondern eine prognostizierbare Wasserstandsanomalie aus Tide, Wind und Luftdruck. Viele Ereignisse lassen sich mehrere Tage im Voraus berechnen — kurzfristige Abweichungen bleiben aber möglich, und extreme Ereignisse wie 1966 oder 2019 hatten sturmflutähnliche Auswirkungen.

Mess-Referenz: Alle offiziellen Pegelangaben beziehen sich auf den Bezugspegel Punta della Salute (ZMPS) am Eingang des Canal Grande im Sestiere Dorsoduro. Weitere Stationen (Diga Sud Lido, Faro Punta Maistra, Burano) liefern Live-Daten an ISPRA und das Centro Maree der Stadt Venedig.

Wann tritt Acqua Alta auf?

Hauptsaison: Oktober bis März, mit Schwerpunkt zwischen November und Februar.

Sehr geringes Risiko: Mai bis September. Ungewöhnliche Ereignisse sind außerhalb der Saison nicht völlig ausgeschlossen, aber statistisch selten. Dass die Stadt den Passerelle-Service vom 1. Mai bis 15. September aussetzt, bestätigt: die praktische Hochwasser-Saison liegt außerhalb der Sommermonate.

Spitzenmonate: November und Dezember — in diesen Monaten kommen die ungünstigsten Druck-Wetterlagen am häufigsten vor.

Häufigkeit: Acqua-Alta-Ereignisse mit Pegelständen ≥ 80 cm treten in vielen Jahren mehrfach pro Saison auf, schwere Ereignisse über 140 cm sind dagegen seit MOSE-Aktivierung 2020 deutlich seltener geworden. Die genaue Häufigkeit schwankt je nach Wetterlage des jeweiligen Jahres und wird vom Centro Maree dokumentiert.

Tageszeit: Acqua Alta folgt dem Gezeiten-Rhythmus, taucht also alle 12 Stunden auf. Die Höchststände liegen meist am frühen Morgen (5–8 Uhr) oder späten Abend (17–20 Uhr).

Dauer: Ein Acqua-Alta-Ereignis dauert typischerweise 2–4 Stunden. Nach dem Höchststand zieht sich das Wasser meist innerhalb weniger Stunden zurück; tiefliegende Bereiche können jedoch länger feucht oder rutschig bleiben.

Acqua-Alta-Saison-Statistik der letzten 10 Jahre

Pegelstände verstehen: 80 cm, 100 cm, 110 cm, 140 cm

Das Centro Maree der Stadt Venedig klassifiziert Pegelstände in vier offizielle Stufen. Jede Stufe hat konkrete Konsequenzen für Reisende:

Pegelstand Punta SaluteOffizielle KlassifikationBedeutung für Reisende
bis 80 cmmarea normaleKeine relevanten Einschränkungen, Stadt komplett trocken
80–110 cmmarea sostenutaErste tiefe Stellen feucht, besonders Markusplatz und Punta Salute. Passerelle ab ~100 cm (außerhalb 1. Mai – 15. September)
110–140 cmmarea molto sostenutaMOSE kann aktiviert werden. Deutliche Einschränkungen, Passerelle/Umwege relevant. Vaporetto teils umgeleitet
ab 140 cmalta marea eccezionaleAußergewöhnliche Lage, Reiseplanung deutlich anpassen. Großteil von San Marco unter Wasser

Sirenen-Warnung: Wenn ein Acqua-Alta-Ereignis erwartet wird, ertönen einige Stunden vorher Sirenen über die ganze Stadt. Die Tonfolge zeigt die vorhergesagte Pegelklasse an, wird aber je nach Warnsystem unterschiedlich erklärt. Reisende sollten die Sirenen-Signale daher nicht alleine interpretieren, sondern zusätzlich die offizielle Centro-Maree-Vorhersage, die App „Hi!tide Venice“ oder die Hotelrezeption prüfen.

Historische Spitzenwerte: Der Allzeit-Rekord liegt bei 194 cm (4. November 1966), der zweithöchste bei 187 cm (12. November 2019). Beide Ereignisse traten ohne aktives MOSE auf.

Welche Orte in Venedig sind besonders betroffen?

Die Topographie Venedigs ist nicht gleichmäßig. Tiefer gelegene Sestiere werden zuerst überflutet, höhere bleiben tendenziell länger trocken:

  • Markusplatz und tiefliegende Bereiche von Sestiere San Marco — der tiefste Punkt der historischen Stadt. Bereits ab ~80 cm steht der Markusdom-Vorraum unter Wasser, bei stärkerer Acqua Alta wird der gesamte Platz überflutet.
  • Sestiere San Polo (Rialto-Bereich) — mittlere Höhe. Ab ~100 cm beginnt die Überflutung an der Rialto-Markthalle.
  • Sestiere Santa Croce — gemischt. Piazzale Roma und Bahnhof liegen tendenziell höher.
  • Sestiere Dorsoduro — tendenziell höher gelegen, weniger anfällig; oft eine gute Hotel-Option in der Acqua-Alta-Saison.
  • Sestiere Cannaregio — höher gelegen, ähnlich wie Dorsoduro. Außer dem Bahnhofs-Quartier.
  • Sestiere Castello — Nordteil (Arsenale-Region) höher, Südteil (Riva degli Schiavoni) niedriger.

Passerelle (Holzstege): Bei Pegelständen ab 100 cm legt die Stadt entlang der Hauptverkehrswege erhöhte Holzstege aus. Sie sind etwa 25 cm hoch und ermöglichen trockenen Fuß bis ~125 cm Pegelstand. Wichtig: Der Passerelle-Service ist vom 1. Mai bis 15. September ausgesetzt. Bei höheren Werten als 125 cm werden die Stege selbst überflutet und entfernt.

Vaporetto-Verkehr: Bei stärkerer Acqua Alta werden manche Vaporetto-Routen umgeleitet, da Anlegestellen unter Wasser stehen können. Live-Updates über die AVM/ACTV-App oder das Comune-Venezia-Portal.

Was tun bei Acqua Alta? Praktische Tipps für Reisende

Vor der Reise

  • Reisezeit prüfen: Zwischen Oktober und März ist das Risiko für Acqua Alta deutlich erhöht. Mai–September ist das Risiko sehr gering, aber nicht völlig ausgeschlossen.
  • Hotel-Lage wählen: Höher gelegene Sestiere (Dorsoduro, Cannaregio-Nord, Castello-Nord) bevorzugen. Tiefliegende Hotels rund um Markusplatz und Riva degli Schiavoni in Acqua-Alta-Saison kritisch prüfen.
  • Wasserdichte Stiefel im Gepäck — günstiger als vor Ort gekauft, mehr Auswahl an Größen.

Vor Ort

  • Aktuelle Vorhersage prüfen: Das Live-Banner oben dieser Seite zeigt die offizielle ICPSM-Vorhersage. Alternativ App „Hi!tide Venice“ oder das Centro-Maree-Portal.
  • Sirenen + offizielle Quellen kombinieren: Sirenen warnen mehrere Stunden vor erwarteter Acqua Alta. Da Tonfolgen je nach System unterschiedlich erklärt werden, immer zusätzlich Vorhersage oder Hotelrezeption prüfen.
  • Gummistiefel kaufen oder leihen: Einfache Modelle sind oft günstig an Tabacchi-Kiosken erhältlich, robustere Modelle eher im Outdoor-Fachhandel.
  • Passerelle nutzen: Diese Holzstege liegen entlang der Hauptachsen bei Pegelständen ab 100 cm aus (außerhalb Mai–Mitte September).
  • Tagesplanung anpassen: Bei Hochwasser-Vorhersage über 120 cm — Tag in höheren Sestiere verbringen, Sehenswürdigkeiten am Markusplatz erst nach dem Höchststand besuchen.

24-Stunden-Plan bei angekündigter Acqua Alta

  1. 20 Stunden vorher: Vorhersage auf comune.venezia.it prüfen. Bei erwartetem Höchststand > 100 cm: Stiefel/Boots-Galoschen vorbereiten.
  2. 12 Stunden vorher: Hotel-Rezeption ansprechen (manche Hotels verleihen Galoschen oder organisieren Wassertaxi). Tagesplan anpassen — Markusplatz-Sehenswürdigkeiten in trockene Zeitfenster verschieben.
  3. 3–4 Stunden vorher: Sirenen-Signale beachten und mit Centro-Maree-App abgleichen. Aktuelle Vaporetto-Routen-Änderungen auf AVM/ACTV-App checken.
  4. Während der Acqua Alta: Stiefel an, Passerelle nutzen (sofern Saison), Wertgegenstände hoch tragen. Nicht ohne wasserdichte Schuhe ins Wasser.
  5. Nach 2–4 Stunden: Nach dem Höchststand zieht sich das Wasser meist zurück; einzelne tiefliegende Bereiche können noch feucht oder rutschig bleiben. Sehenswürdigkeiten öffnen wieder.

Was Sie nicht tun sollten

  • Nicht in flachem Wasser laufen ohne wasserdichte Schuhe — das Wasser ist Lagunenwasser, oft mit Abwasser-Anteilen aus überlasteten Kanälen
  • Keine Plastiküberzieher über normale Schuhe — rutschen auf nassem Marmor extrem
  • Wertgegenstände hoch tragen — Taschen nicht auf den Boden stellen
  • Foto-Stativ nicht auf Pegel-Säulen abstützen — die sind in Venedig historische Markierungen

Hotels bei Acqua Alta: Welche Lage ist sinnvoll?

Die wichtigste Entscheidung bei Reisen in der Acqua-Alta-Saison: die richtige Sestiere für das Hotel. Höher gelegene Stadtteile bleiben auch bei stärkerer Acqua Alta tendenziell besser erreichbar.

  • Tendenziell gut geeignet: Dorsoduro (Nähe Accademia, Salute), Cannaregio-Nord (außer Bahnhofs-Quartier), Castello-Nord (Arsenale-Bereich)
  • Bedingt geeignet: San Polo (Rialto-Markthalle wird ab ~100 cm nass), Santa Croce (Piazzale Roma trocken, Rest gemischt)
  • In Acqua-Alta-Saison kritisch prüfen: tiefliegende Lagen rund um Markusplatz, Markusdom und Riva degli Schiavoni in San Marco. Nicht jedes Hotel in San Marco ist ungeeignet — höher gelegene oder gut angebundene Häuser können trotzdem geeignet sein. Die konkrete Lage ist entscheidend.

Für Familien, Senioren oder Reisende mit Mobilitätseinschränkung: Hotel-Lage außerhalb von San Marco ist auch ohne Acqua-Alta-Saison empfehlenswert, weil Brücken-Stufen unvermeidbar sind. Hotels mit ebenerdigem Eingang (kein Brückenüberstieg vom Vaporetto-Stop) reduzieren das Risiko zusätzlich.

Acqua-Alta-Bekleidung und Schuhe

Die richtigen Schuhe machen den Unterschied zwischen entspanntem Acqua-Alta-Tag und ruiniertem Reisetag.

  • Klassische Gummistiefel: wasserdicht bis ~35 cm Höhe, rutschfeste Sohle. Beste Wahl für sichere Pegelstände bis 130 cm.
  • Boots-Galoschen (PVC-Überzieher): dünne Überzieher über normale Schuhe. Klein im Reisegepäck, für moderate Acqua Alta (80–100 cm) ausreichend — rutschen aber auf Marmor.
  • Wasserdichte Wandersocken-Stiefel: Sealskinz oder ähnliche Marken. Sehen aus wie normale Schuhe, sind bis ~25 cm wasserdicht. Premium-Lösung für mehrere Hochwasser-Tage.

Einfache Modelle sind oft günstig vor Ort an Tabacchi-Kiosken erhältlich, robustere Modelle meist teurer im Outdoor-Fachhandel — zuhause vorab gekauft mit besserer Größen-Auswahl.

Acqua-Alta-Schuhe und Bekleidung — Produkt-Empfehlungen

MOSE: Wie der Sperrwall Venedig schützt

MOSE steht für „Modulo Sperimentale Elettromeccanico“ (Versuchs-Modul Elektromechanik) und ist seit Oktober 2020 das Schutzsystem Venedigs gegen Acqua Alta.

Funktionsprinzip: An den drei Einfahrten der Lagune (Lido, Malamocco, Chioggia) sind insgesamt 78 mobile Schleusen-Tore auf dem Meeresboden befestigt. Drohen vorhergesagte Pegelstände über etwa 110 cm, können die Tore mit Druckluft aufgerichtet werden und versperren die Lagune vom Adriatischen Meer. Die konkrete Aktivierungs-Entscheidung hängt von Prognose, Wetterlage und Betriebsplanung ab.

Aktivierungsdauer: Eine MOSE-Aktivierung dauert etwa 30 Minuten zum Aufrichten, mehrere Stunden im aktiven Zustand und 15 Minuten zum Absenken. Die Tore werden nach Bedarf hochgefahren — meist während des Tidenhochstands.

Bau und Kosten: Das Projekt wurde 2003 begonnen, ursprünglich für 1,3 Mrd. Euro veranschlagt. Die tatsächlichen Kosten überstiegen 5,5 Mrd. Euro. Die offizielle Inbetriebnahme erfolgte am 3. Oktober 2020.

Bilanz seit 2020: Laut Recherchen britischer Medien (u.a. The Guardian, April 2026) hat MOSE seit Inbetriebnahme rund 154 potenzielle Überflutungen verhindert. Pegelstände, die ohne MOSE 140–160 cm in der Stadt erreicht hätten, blieben innerhalb der Lagune bei deutlich niedrigeren Werten.

Warum MOSE keine endgültige Lösung ist

MOSE schützt Venedig heute zuverlässig vor vielen schweren Hochwasserlagen. Langfristig bleibt der steigende Meeresspiegel jedoch ein Problem: je häufiger die Barrieren geschlossen werden müssen, desto stärker werden Lagunenaustausch, Schiffsverkehr, Betriebskosten und Ökosystem belastet.

Diskutierte Schwachpunkte:

  • Hohe Wartungskosten (Salzwasser-Korrosion, Algen-Bewuchs an den Toren)
  • Ökologische Eingriffe in den Lagunen-Wasseraustausch — bei häufigen Schließungen Algen-Blüten und Sauerstoff-Defizite möglich
  • Blockade des Schiffsverkehrs (Cruise-Schiffe, Frachter) bei aktiver MOSE-Schließung
  • Steigende Aktivierungs-Frequenz wegen Meeresspiegelanstieg — laut wissenschaftlichen Studien könnten mittelfristig deutlich häufigere Schließungen nötig werden

Plan B in Diskussion: Die Stadt arbeitet bereits an Konzepten für eine langfristige Lösung — von erhöhten Uferzonen über permanente Lagunentore bis hin zu Stadt-Aufbringungen. Eine Entscheidung wird in den nächsten 10–15 Jahren erwartet.

Für Reisende heißt das: MOSE reduziert das Acqua-Alta-Risiko deutlich, ersetzt aber nicht den Blick auf die aktuelle Vorhersage des Centro Maree.

MOSE-Sperrwall im Detail: Technik, Geschichte, Kritik

Historische Ereignisse

4. November 1966 — 194 cm: das schwerste Acqua-Alta-Ereignis der Geschichte. Niedriger Luftdruck plus Scirocco-Sturm. Ganze Stadt 24 Stunden überflutet, immense Schäden an Kunstgut. Dieses Ereignis war der Auslöser für den MOSE-Plan.

12. November 2019 — 187 cm: zweitschlimmstes Ereignis seit Messbeginn. MOSE war im Bau, noch nicht aktiv. Großteil der Stadt überflutet, Markusdom-Vorraum schwer beschädigt, mindestens 2 Tote in der Lagune. Ein katastrophaler Beweis, dass MOSE dringend nötig war.

Weitere bemerkenswerte Ereignisse:

  • 1. Dezember 2008: 156 cm
  • 27. November 2019: 154 cm (eine Folge-Welle nach dem 12.11.)
  • Seit Oktober 2020 (MOSE aktiv): keine vergleichbar schweren Pegelstände innerhalb der Stadt — obwohl in der Adria mehrfach hohe Werte gemessen wurden

Historische Acqua-Alta-Ereignisse: 100 Jahre Statistik

FAQ zu Acqua Alta in Venedig

Wann ist Acqua Alta in Venedig am wahrscheinlichsten?

November und Dezember sind die Spitzenmonate. In diesen Monaten kommen die ungünstigsten Wetterlagen (Scirocco-Wind plus Niederdruck) am häufigsten vor. Wer Acqua Alta sicher vermeiden will, sollte zwischen Mai und September reisen — dann ist das Risiko sehr gering, auch wenn ungewöhnliche Ereignisse nicht völlig ausgeschlossen sind.

Ab welchem Pegelstand wird Acqua Alta für Touristen problematisch?

Meist ab etwa 100–110 cm am Punta Salute. Bei 80–100 cm marea sostenuta sind nur die tiefsten Stellen (Markusdom-Vorraum, einige Calli) feucht. Bei 110 cm marea molto sostenuta kann MOSE aktiviert werden. Bei 140 cm alta marea eccezionale ist die Reiseplanung deutlich anzupassen.

Ist der Markusplatz immer zuerst betroffen?

Ja — der Markusplatz ist der tiefste Punkt der historischen Stadt. Bereits ab ~80 cm Pegelstand steht der Markusdom-Vorraum unter Wasser. Bei stärkerer Acqua Alta wird der ganze Platz überflutet. Höher gelegene Sestiere wie Dorsoduro oder Cannaregio-Nord bleiben dagegen tendenziell länger trocken.

Kann ich bei Acqua Alta noch Vaporetto fahren?

Bei moderater Acqua Alta fährt der Vaporetto normal, einzelne Linien können umgeleitet werden. Bei stärkerer Acqua Alta werden manche Anlegestellen überschwemmt, Linien werden ausgesetzt oder geändert. Live-Updates über die AVM/ACTV-App oder das Centro-Maree-Portal.

Schützt MOSE Venedig vollständig?

Nein, MOSE schützt nicht vollständig. Das System kann ab erwarteten Pegelständen von etwa 110 cm aktiviert werden — die konkrete Aktivierungs-Entscheidung hängt aber von Prognose, Wetterlage und Betriebsplanung ab. Kürzere oder nicht-prognostizierte Ereignisse unter 110 cm laufen ohne MOSE — diese geringere Acqua Alta bleibt. Plus: MOSE ist keine dauerhafte Lösung gegen den steigenden Meeresspiegel.

Welche Stadtteile sind bei Acqua Alta für Hotels besser geeignet?

Tendenziell gut geeignet: Dorsoduro (Nähe Accademia, Salute), Cannaregio-Nord (außer Bahnhofs-Quartier), Castello-Nord (Arsenale). Bedingt geeignet: San Polo und Santa Croce. In Acqua-Alta-Saison kritisch prüfen: tiefliegende Lagen rund um Markusplatz, Markusdom und Riva degli Schiavoni in San Marco. Nicht jedes Hotel in San Marco ist ungeeignet — die konkrete Lage ist entscheidend.

Brauche ich Gummistiefel für Venedig?

Bei Reisen zwischen Oktober und März sind wasserdichte Stiefel oder faltbare Galoschen sinnvoll — besonders bei Aufenthalten nahe San Marco oder bei angekündigter Acqua Alta. Im Sommer (Mai–September) in der Regel nicht nötig. Einfache Modelle sind oft günstig vor Ort an Tabacchi-Kiosken erhältlich, robustere Modelle eher im Outdoor-Fachhandel.

Wo finde ich die aktuelle Acqua-Alta-Vorhersage?

Verlässliche Quellen sind: das Live-Banner oben auf dieser Seite (Live-Daten via ICPSM Comune Venezia), das Centro Previsioni e Segnalazioni Maree der Stadt Venedig (comune.venezia.it), die App „Hi!tide Venice“ sowie der offizielle Telegram-Kanal des Centro Maree für Push-Benachrichtigungen.

Muss ich meinen Venedig-Trip absagen, wenn Acqua Alta vorhergesagt ist?

Nein — Acqua Alta dauert meist nur 2–4 Stunden pro Ereignis und betrifft nur den tieferen Stadtteil. Mit wasserdichten Schuhen, Passerelle (außerhalb Mai–Mitte September) und einem gut gelegenen Hotel bleibt die Reise in vielen Fällen gut machbar. Nur bei sehr schwerem Ereignis wird der Tag eingeschränkt — und solche Werte sind seit MOSE selten geworden.

Sind Sehenswürdigkeiten bei Acqua Alta geöffnet?

Bei moderater Acqua Alta bleiben fast alle Sehenswürdigkeiten geöffnet. Der Markusdom-Vorraum schließt ab ~90 cm Pegelstand, der Dogenpalast und höher gelegene Museen bleiben offen. Erst bei sehr schwerer Acqua Alta schließen manche Häuser temporär.

Was bedeuten die Sirenen-Töne in Venedig?

Mehrere Stunden vor einem erwarteten Acqua-Alta-Ereignis ertönen Sirenen über die Stadt. Die Tonfolge zeigt die vorhergesagte Pegelklasse an, wird aber je nach Warnsystem unterschiedlich erklärt. Reisende sollten die Sirenen-Signale daher nicht alleine interpretieren, sondern zusätzlich die offizielle Centro-Maree-Vorhersage, die App „Hi!tide Venice“ oder die Hotelrezeption prüfen.

Was ist der Unterschied zwischen Acqua Alta und Sturmflut?

Acqua Alta ist eine prognostizierbare, regelmäßig auftretende Wasserstandsanomalie aus dem Zusammentreffen von Tide, Wind und Luftdruck. Sturmflut ist ein extremes, plötzliches Ereignis durch schweren Sturm. Acqua Alta dauert 2–4 Stunden, ist berechenbar; Sturmflut kann länger dauern und ist unberechenbarer. Schwere Acqua-Alta-Ereignisse (1966, 2019) hatten Sturmflut-ähnliche Auswirkungen, sind aber strukturell unterschiedlich.

Offizielle Quellen und aktuelle Vorhersagen

Für aktuelle Pegelstände, Vorhersagen und Warninformationen sollten Reisende immer die offiziellen Stellen prüfen:

  • Centro Previsioni e Segnalazioni Maree der Stadt Venedig — offizielle Pegel-Vorhersage, Passerelle-Karten, Sirenen-Hinweise
  • AVM/ACTV — Live-Updates zu Vaporetto-Routen-Änderungen bei Hochwasser
  • App Hi!tide Venice — Live-Pegel + Push-Benachrichtigungen
  • Protezione Civile Veneto — bei außergewöhnlichen Lagen
  • Telegram-Kanal des Centro Maree für Echtzeit-Warnungen
  • ISPRA Venezia — wissenschaftliche Pegeldaten und Klimadaten

Weitere Hintergrundquellen

  • The Guardian (April 2026): Bilanz nach 5 Jahren MOSE und Plan-B-Debatte für den langfristigen Schutz Venedigs
  • Wissenschaftliche Studien: aktuelle Forschung zu Meeresspiegelanstieg in der Nordadria und prognostizierter MOSE-Aktivierungs-Frequenz bis 2050 (CNR-ISMAR, ISPRA-Berichte)
  • Comune di Venezia — Historisches Pegel-Archiv: dokumentierte Acqua-Alta-Ereignisse seit Messbeginn 1923

Das Live-Banner oben auf dieser Seite nutzt die offiziellen ICPSM-Daten der Comune di Venezia (CC-BY-Lizenz) und aktualisiert sich stündlich.

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